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Was sind eigentlich Depressionen?

 

 

Wer kennt Sie nicht - die Momente, in denen wir uns einsam und niedergeschlagen fühlen und uns auf nichts freuen können. Es ist, als hätte man eine Brille aufgesetzt, die uns nur noch erlaubt, alles in grauen Farben zu sehen.

Solche Gemütszustände gehören zu den normalen Hochs und Tiefs des Lebens und sind eine normale, gesunde Art auf negative Erfahrungen, Verluste, Enttäuschungen oder Belastungen zu reagieren. Erst wenn dieser Zustand über mehrere Wochen oder Monate anhält und das Gefühl der inneren Leere sich wie Blei um die Seele legt, spricht man von einer ernsthaften Erkrankung: der Depression.

Bei Menschen mit Diabetes kommt dieser Zustand nicht selten vor.


Woran erkennt man eine Depression?

Bei depressiven Menschen können sowohl körperliche Veränderungen als auch Veränderungen des Verhaltens und Erlebens beobachtet werden. Im Folgenden sind einige Anzeichen aufgeführt, die auf eine Depression schließen lassen. Depressionen können sich jedoch auf eine sehr unterschiedliche Art und Weise äußern, einige Beschwerden können auch durch andere Krankheiten verursacht werden.

Depressive Stimmung: Ein Gefühl der tiefen Niedergeschlagenheit, Mut- und Hoffnungslosigkeit. Viele Betroffene berichten von einer großen inneren Leere, Verzweiflung und einem "Gefühl der Gefühllosigkeit". Das Erleben ist völlig verändert.

Verlust von Interessen und Freude an Aktivitäten: Dinge, die früher Spaß gemacht haben, werden kaum noch gemacht. Viele Patienten ziehen sich zurück, vermeiden soziale Kontakte und verbringen viel Zeit im Bett oder auf der Couch.

Verminderte Antriebs- und Entscheidungsfähigkeit: An einer Depression Erkrankte können sich häufig zu nichts entschließen. Sie wägen alles ab, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Selbst einfache Verrichtungen machen große Mühe. Schwierige Dinge werden aufgeschoben und nicht angepackt.

Grübeln und Konzentrationschwierigkeit: Viele Betroffen berichten, dass es Ihnen schwerfällt, sich von einigen Gedanken zu lösen, über die sie immer wieder grübeln, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Dadurch können sie sich auf andere Dinge nur schwer konzentrieren.

Schlafstörungen: Ein gestörter Schlaf ist ein typisches Merkmal einer Depression. Dies kann dazu führen, dass depressive Menschen trotz Müdigkeit lange wach liegen und nicht tief schlafen. Andere wachen oft auf und können vor lauter Grübeln schlecht erneut einschlafen. Wieder andere leiden unter einem stark erhöhten Schlafbedürfnis und schlafen wesentlich länger, ohne jedoch dadurch erholt zu sein. Oft erwachen depressive Menschen zwei oder mehr Stunden vor der gewohnten Zeit.

Appetitstörung: Das Essen macht keinen Spaß und es wird oft nur aus Pflichtbewusstsein gegessen, um nicht abzunehmen. Häufig nehmen Menschen in einer depressiven Phase ab. Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein. Kummerspeck sagt der Volksmund zu solchermaßen angegessenen Pfunden.

Keine Lust auf Sex: Der mangelnde Antrieb zeigt sich häufig auch im Sexualleben. Dies ist oft reduziert und wird als nicht mehr so wichtig und leidenschaftlich erlebt.

Suizidalität: Gedanken an den Tod oder der Wunsch lieber tot zu sein, gehören auch häufig zu einer Depression dazu. Es kann die Stimmung sogar so schlecht werden, dass der eigene Tod als einziger Ausweg gesehen wird. In diesem Fall möchten wir Sie bitten, sich sofort Unterstützung zu holen. In Krisensituationen können wir Ihnen keine angemessene Hilfe oder Beratung liefern.

Depressionen werden oft unterschätzt

Nach der Devise "Jeder ist mal depressiv" werden Depressionen oft unterschätzt und irgendwo zwischen Schnupfen und Einbildung angesiedelt. In Wirklichkeit aber handelt es sich um eine gefährliche Krankheit, die wie keine andere in fundamentaler Weise die Lebensqualität der betroffenen Menschen beeinträchtigt und nicht selten dazu führt, das gesamte eigene Leben in Frage zu stellen.

Depressionen gehen wie kaum eine andere Erkrankung mit hohem Leidensdruck einher, da diese Erkrankung ins Zentrum des Wohlbefindens und der Lebensqualität zielt.

Nach einer erst vor kurzem durchgeführten weltweiten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Depressionen mit weitem Abstand vor allen anderen psychischen oder körperlichen Leiden die am schwersten belastende Erkrankung.


An Depressionen kann jeder erkranken

Etwa 10% der Bundesbürger erkranken einmal oder mehrmals in ihrem Leben an einer Depression. Bezogen auf die ganze Lebensspanne liegt das Risiko an einer Depression zu erkranken bei ca. 15% - 18%.

Depressionen verlaufen meist in Form von Krankheitsphasen (Episoden), die Wochen bis Monate, manchmal auch Jahre anhalten können. Vor allem wenn sie unbehandelt bleiben, können sie rezidivierend immer wieder auftreten und einen chronischen Verlauf nehmen.


Depressionen: Doppelt so häufig bei Diabetes

Im Zusammenhang mit Diabetes ist das Risiko deutlich erhöht, zugleich an einer Depression zu erkranken. Heute geht man daher davon aus, dass Depressionen bei Menschen mit Diabetes etwa doppelt so häufig vorkommen wie bei Menschen ohne Diabetes. Die Untersuchungen zeigen auch, dass das Auftreten einer Depression häufig mit einer schlechteren Stoffwechseleinstellung, mehr Komplikationen und einer deutlich reduzierten Lebensqualität verbunden ist. Besonders bei Menschen mit Folgeerkrankungen ist die Depressionsrate erhöht.


Behandlungserfolg bei 80 Prozent

 

Was viele Menschen nicht wissen: Mit der richtigen Therapieform können rund 80% der Erkrankten erfolgreich behandelt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch eine frühzeitige Diagnosestellung, die richtige Therapie und die Bereitschaft des Patienten, sich auf die Behandlung einzulassen. Als wirkungsvoll haben sich bestimmte Medikamente und Psychotherapie erwiesen.


Moderne Medikamente (Antidepressiva)
 

Bei Depressionen ist eine Behandlung mit Antidepressiva sinnvoll. Die Antidepressiva beeinflussen den Stoffwechsel im Gehirn. Sie fördern die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen durch die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Die Medikamente bewirken bei der Mehrheit der Patienten innerhalb einiger Wochen ein Abklingen der depressiven Symptome.

Viele Patienten fürchten, von Antidepressiva abhängig zu werden. Eine derartige Gefahr besteht zwar bei Beruhigungs- und Schlafmitteln, nicht jedoch bei Antidepressiva. Die Sorge, die Medikamente könnten die Persönlichkeit verändern, ist ebenfalls nicht berechtigt. Patienten berichten im Gegenteil, dass sie sich nach einer erfolgreichen Behandlung sich wieder so gesund fühlen wie früher.


Psychotherapie

Neben der medikamentösen Therapie sind bestimmte Psychotherapien ebenso wirksam bei der Behandlung der Depression. Hier ist neben der interpersonellen und psychodynamische Therapie, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, erfolgreich.

Eine depressive Erkrankung führt dazu, dass sich das Denken, Fühlen und Handeln einer Person stark verändert. Viele Betroffene ziehen sich als Folge der Erkrankung zurück und geben bisher lieb gewonnene Aktivitäten auf. Das Fehlen von sozialen Kontakten, Anregungen und Impulsen von außen verstärkt in der Folge jedoch zusätzlich die depressive Verstimmung und die Fixierung auf die eigenen Gedanken. Wissenschaftler sprechen hier von einer richtigen " Depressionsspirale"

Ziel der Verhaltenstherapie ist es zunächst, ein besseres Verständnis für die Erkrankung und mögliche auslösende Schwierigkeiten oder Probleme zu bekommen.
Außerdem werden 
Patienten dabei unterstützt, sich wieder aus dem eigenen "Schneckenhaus" zu wagen und Wege aus der Depressionspirale zu finden.
Hierzu ist es oft auch notwendig, hinderliche Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen und gemeinsam mit dem Patienten bessere Strategien zu erarbeiten, mit Stress und belastenden Lebensereignissen umzugehen.


Behandlung in der Diabetes-Depressionsstudie

 

In der DAD-Studie wurden zwei Behandlungsformen angeboten, die als Standard in der Depressionsbehandlung gelten: Ein bereits lange zugelassenes, gut verträgliches antidepressives Medikament (Sertralin) oder eine speziell auf die Bedürfnisse von Diabetikern angepasste Verhaltenstherapie. Nähere Informationen finden Sie »hier.

 

Nützliche Links mit weiteren Informationen zu Depressionen

»Kompetenznetz Depression 

»diabetes-psychologie.de

 

(Teile dieser Informationen wurden mit freundlicher Genehmigung von der Homepage des »Diabetes & Psychologie e.V. übernommen)

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